Antidepressiva:
Medikamente zur Behandlung der Depression

Von Citalopram und Fluoxetin bis Johanniskraut

Bild: Medikamente bei Depression

Es gibt verschiedene Arten antidepressiv wirksamer Medikamente, die zur Behandlung depressiver Störungen verwendet werden. Sie helfen häufig sehr gut. Etwa 80 Prozent der Patienten sprechen auf diese Medikamente an.

Antidepressiv wirkende Präparate erzeugen keine Sucht und zeigen meist nur geringe, gut kontrollierbare Nebenwirkungen. Sie verändern nicht die Persönlichkeit eines Menschen. Viele Ängste über ihren Einsatz sind unbegründet. Zu den antidepressiv wirkenden Medikamenten gehören neuere Präparate (hauptsächlich die selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer/ SSRI), die trizkylischen Antidepressiva ("Trizyklika") und die Monoaminoxidase(MAO)-Hemmer.

Häufig verordnete Arzneimittel

  • Citalopram
  • Mirtazapin
  • Amitriptylin
  • Doxepin
  • Trimipramin
  • Venlafaxin
  • Fluoxetin
  • Sertralin
  • Paroxetin
  • Duloxetin
  • Moclobemid
  • Hypericum perforatum / Johanniskraut

Behandlungsbeginn

Manchmal probiert der Arzt verschiedene antidepressiv wirkende Medikamente aus, bevor er das wirksamste Medikament oder die wirksamste Medikamenten-kombination findet. Manchmal muss die Dosierung erhöht werden, damit das Medikament wirkt. Zwar kann schon in den ersten Wochen eine Besserung spürbar sein, aber eine antidepressive Medikation muss regelmäßig drei bis vier Wochen (in einigen Fällen sogar bis zu acht Wochen) lang genommen werden, bis die volle therapeutische Wirkung eintritt.

Dauer der Behandlung

Oft werden Medikamente zu früh abgesetzt. Der Patient fühlt sich besser und denkt, er bräuchte die Präparate nicht mehr. Oder er glaubt, dass die Mittel überhaupt nicht helfen. Es ist aber wichtig, die Medikamente so lange einzunehmen, bis sie wirken können; Nebenwirkungen können allerdings schon vor dem Wirkungseintritt eines Antidepressivums auftreten. Sobald sich eine Besserung einstellt, müssen die Medikamente sechs bis neun Monate lang weiter genommen werden, um ein Wiederauftreten der Depression zu verhindern. Manche Medikamente müssen allmählich abgesetzt werden, damit sich der Körper anpassen kann, und viele können zu Entzugserscheinungen führen, wenn sie plötzlich abgesetzt werden. Patienten mit einer bipolaren Störung und solche mit chronischer oder wiederholt auftretender ("rezidivierender") Depression müssen die Medikamente unter Umständen langfristig einnehmen.

Antidepressiva machen nicht abhängig. Eine Behandlung mit antidepressiv wirkenden Medikamenten muss aber sorgfältig überwacht werden, um zu bestimmen, ob die richtige Dosierung verabreicht wird. Der Arzt wird die Dosierung und ihre Wirksamkeit regelmäßig überprüfen.

Wechselwirkungen

Nehmen Sie nicht ohne Befragen Ihres Arztes verschiedene Medikamente gemeinsam ein - egal ob diese Medikamente verschreibungspflichtig, frei verkäuflich oder gar geliehen sind!

Einige Medikamente, die allein genommen unbedenklich sind, verursachen in Verbindung mit anderen schwere und gefährliche Nebenwirkungen. Deshalb muss zum Beispiel ein Zahnarzt über die Medikamente, die ein Depressions-Patient nimmt, informiert werden.

Suchtmittel wie Alkohol oder illegale Drogen können die Wirksamkeit von antidepressiv wirkenden Medikamenten herabsetzen und sollten gemieden werden. Der Arzt wird Patienten, die eines der neueren Antidepressiva nehmen und kein Alkoholproblem haben, möglicherweise den Konsum einer geringen Menge Alkohol erlauben. Angstlösende Medikamente oder Beruhigungsmittel sind keine antidepressiv wirkenden Medikamente. Sie werden manchmal zusammen mit Antidepressiva verordnet.

Lithium wird seit vielen Jahren zur Behandlung von manisch-depressiven Erkrankungen eingesetzt, da es bei dieser Erkrankung häufig auftretende Stimmungsschwankungen wirksam ausgleichen kann. Seine Verwendung muss unter sorgfältiger Überwachung erfolgen, da der Abstand zwischen der wirksamen und der toxischen Dosis gering ist. Wenn jemand vorbestehende Erkrankungen der Schilddrüse, der Nieren, des Herzens oder Epilepsie hat, wird Lithium unter Umständen nicht empfohlen.

Andere Medikamente, die Stimmungsschwankungen wirksam regulieren, sind zwei stimmungsstabilisierende Antikonvulsiva (krampflösende Mittel): Carbamazepin und Valproinsäure. Diese beiden Medikamente sind in der klinischen Praxis weithin akzeptiert. Valproinsäure ist als Erstbehandlung bei akuter Manie zugelassen. Andere Antikonvulsiva, die heute verwendet werden, sind Lamotrigin und Gabapentin. Ihr Stellenwert bei der Behandlung bipolarer Störungen wird derzeit untersucht.

Kombinationsbehandlung

Die meisten Menschen, die eine bipolare Störung haben, nehmen mehr als ein Medikament ein. Oft werden zusammen mit Lithium und/oder einem Antikonvulsivum auch noch Medikamente gegen die begleitende Erregung, Angst, Depression oder Schlaflosigkeit verschrieben. Für den Patienten ist es äußerst wichtig, dass die bestmögliche Kombination dieser Medikamente gefunden wird. Die Behandlung bedarf einer engmaschigen ärztlichen Überwachung.

Nebenwirkungen

Antidepressiv wirkende Medikamente können bei manchen Menschen leichte und meist vorübergehende Nebenwirkungen (manchmal als unerwünschte Wirkungen bezeichnet) verursachen. Diese Nebenwirkungen sind typischerweise lästig, aber nicht schwerwiegend. Jedoch sollten alle ungewöhnlichen Reaktionen, Nebenwirkungen oder eine Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit sofort dem Arzt mitgeteilt werden:

  • Die Einnahme neuerer antidepressiv wirkender Medikamente wird bisweilen begleitet von Kopfschmerzen und Übelkeit.
  • Gelegentlich können Mundtrockenheit, Verstopfung und Schwierigkeiten mit der Blase auftreten.
  • Ab und zu treten Nervosität und Schlaflosigkeit, Einschlaf- wie auch Durchschlafstörungen auf.
  • Selten stellen sich Schwindel, Benommenheit am Tag oder verschwommenes Sehen ein.
  • Manchmal kann es zu sexuellen Problemen kommen.

Maßnahmen gegen die häufigsten Nebenwirkungen:

Kauen regt die Speichelbildung an; viel Trinken und mehrmals täglich Zähneputzen hilft, Mundtrockenheit zu vermeiden!

Essen Sie viel ballaststoffreiche Nahrungsmittel wie Getreide, Pflaumen, Obst und Gemüse gegen Verstopfung!

Stehen Sie langsam aus dem Bett oder vom Stuhl auf, um Schwindelgefühle zu umgehen!

Bei Benommenheit am Tag, die meist bald vorübergeht, sollten Sie nicht Auto fahren oder schwere Geräte bedienen. Die stärker dämpfenden, antidepressiv wirkenden Medikamente nehmen Sie abends ein, um den Schlaf zu fördern und damit es tagsüber zu weniger Benommenheit kommt.

Therapie mit pflanzlichen Arzneimitteln

In den letzten Jahren hat die Verwendung von pflanzlichen Arzneimitteln zur Behandlung von Depressionen und Angststörungen großes Interesse gefunden. Johanniskraut (Hypericum perforatum) wird in Europa und insbesondere in Deutschland häufig eingesetzt. Auch in den USA nimmt langsam das Interesse an dieser Therapie zu. Das Johanniskraut, eine attraktive, buschige, niedrige Pflanze mit gelben Blüten im Sommer, wird seit Jahrhunderten in der Volksmedizin und Naturheilmedizin verwendet. Heute wird Hypericum in Deutschland häufiger als jedes andere Antidepressivum verwendet.

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Meldung von Nebenwirkungen

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Für die Meldung von Nebenwirkungen außerhalb der Geschäftszeiten erreichen Sie uns unter 02065 256 1665.

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